Perfektionismus – hilfreich oder ungesund?

Das Streben nach Perfektion kann Druck erzeugen. Oder zu Höchstleistungen anspornen.

Perfekte Ergebnisse abzuliefern, fehlerfrei zu arbeiten, Benchmark zu sein … das ist der Anspruch von leistungsorientierten Fach- und Führungskräften. Denn wer keine Fehler macht, zügig Projekte fertigstellt und seine Fertigkeiten ständig verfeinert, der sticht aus der grauen Masse heraus. Und macht Karriere. Perfektionismus als Erfolgsfaktor? Um diese hohen Erwartungen an sich selbst zu erfüllen, stecken Fach- und Führungskräfte außergewöhnlich viel Zeit und Energie in ihren Job. Doch wenn wir unsere hohen Erwartungen an uns selbst nicht erfüllen können oder unser Wunsch nach Perfektion auf falschen Motiven („Ich muss immer besser sein!“ „Ich will gefallen“, …) aufbaut, wird unser Perfektionsdrang zur Qual und verhindert damit perfekte Ergebnisse. Und das ist nicht in Ihrem Sinne. Deshalb geht es darum, zu verhindern, dass Sie das Streben nach Perfektion im Job zurückwirft.

Sind Sie Perfektionist?

Perfektionisten zeichnen sich in der Regel durch folgende Eigenschaften aus:

  • ausgeprägte Sensibilität für mögliche Fehlerquellen
  • ausgeklügelte Selbstorganisationssysteme
  • hohe persönliche Standards
  • mitunter starke Zweifel.

Ein Online-Test kann Ihnen dabei helfen, mehr über sich selbst zu erfahren. Die Psychotherapeutin Doktor Doris Wolf bietet einen solchen Test an. Nach dem Test wertet die Webseite automatisiert aus, ob Sie möglicherweise zu perfektionistisch sind.

Ist Perfektionismus schlecht?

Nein. Natürlich nicht. Denn Perfektionismus hilft uns, das Beste aus uns herauszuholen. Viele Menschen sind gern Perfektionisten und lieben es, 120 Prozent zu geben. Sie genießen ihr Leben gerade wegen und nicht trotz der hohen Belastung. Darüber hinaus verlangen zahlreiche Positionen im Bereich der Fach- und Führungskräfte nach einer perfektionistischen Grundhaltung. Denken Sie zum Beispiel an Chirurgen oder Piloten. Schon kleinste Fehler oder minimale Nachlässigkeiten können in solchen Berufen das Leben von Menschen gefährden.

Da Perfektionisten selbst mit einem perfekten Ergebnis nie einhundertprozentig zufrieden sind und immer höhere Ansprüche an sich selbst stellen, entsteht möglicherweise ein belastender Teufelskreis, aus dem sie nur schlecht wieder herausfinden. Und der letztlich ihre Leistung schmälert. Nach dem Pareto-Prinzip kosten die letzten 20% bis zum perfekten Ergebnis 80% der investierten Zeit … Zeit, die für perfekte Ergebnisse bei anderen Aufgaben und Projekten schmerzlich fehlt. Dabei ist es natürlich immer eine Frage der Persönlichkeit, ob und ab welchem Grad Perfektionismus im Job als schmerzhaft empfunden wird. Und ob man in der Lage ist, auch mal mit unperfekten Ergebnissen „zu leben“.

Wenn Sie leiden, ist Perfektionismus ungesund

Perfektionismus ist also nur dann problematisch, wenn Sie darunter leiden. Sind Ihre Ansprüche an sich selbst so hoch, dass sie nicht mehr erfüllt werden können, entsteht ein Gefühl des Versagens. Dieser Konflikt macht letztendlich krank. Als Folge können Depressionen, Ängste, Süchte, Zwänge oder Essstörungen auftreten. Es handelt sich also nicht um ein harmloses Phänomen. Betroffenen bleibt keine andere Wahl, als die viel zu hohen Anforderungen an sich selbst wieder zu reduzieren. Doch Perfektionisten befürchten, sich dadurch Karrierechancen zu verbauen, im Job überflüssig zu werden oder einen schlechten Ruf zu erhalten. Diese Ängste sind aber oft unbegründet. Es lohnt sich zu akzeptieren, nicht in jeder Hinsicht perfekt zu sein und damit ehrlich umzugehen.

Wie Sie Perfektionismus – wenn Sie wollen – überwinden

Wenn Sie unter Ihrem Perfektionismus leiden, können Sie ihn schrittweise reduzieren:

  1. Perfektionismus enttarnen
  2. Beobachten Sie sich und nehmen Sie Situationen, in denen Sie perfektionistisch sind, bewusst wahr. Notieren Sie Ihre Emotionen und wie sich der Perfektionismus äußert. Woran erkennen Sie, dass es sich – für andere Menschen – um ein übertriebenes Streben nach Vollkommenheit handelt? Könnten Sie auch mit weniger Leistung ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen? Wie perfekt muss „perfekt“ sein? Wann könnte auch „weniger“ für Sie ein ausreichendes Ergebnis sein?

  3. Perfektionismus infrage stellen
  4. Was bringt Ihnen Ihr Perfektionismus? Und was kostet er? Wo bewirkt der Wunsch nach Perfektion erlebbar das Gegenteil? Zum Beispiel im Privatleben? Wo blockiert Sie der Perfektionismus? Zum Beispiel bei der Bereitschaft Neues auszuprobieren? Gehen Sie der Frage nach, ob der Perfektionismus Ihnen wirklich Vorteile – Karrierechancen, breitere Führungsspannen, spannende Projekte – bringt, oder ob die Nachteile nicht doch überwiegen.

  5. Mutig neue Wege gehen
  6. Suchen Sie Möglichkeiten, ohne Perfektionismus auszukommen. In vielen Teilbereichen Ihres Jobs müssen Sie als Fach- und Führungskraft nicht immer perfekt sein und dürfen sich – in Ihren Augen – „Fehler“ erlauben. Das verlangt natürlich Überwindung. Seien Sie mutig!

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