Jobsuche aus Kandidatensicht in Veränderung

Jobsuche aus Kandidatensicht in Veränderung

Die Digitalisierung hat die Personalsuche revolutioniert. Aber der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen.

Liebe Leser, als ich am Wochenende eine der großen deutschen Tageszeitungen zur Hand nahm und die verbliebenen Stellenanzeigen im hinteren Teil sah, musste ich an frühere Zeiten denken … und daran, wie sich die Möglichkeiten, Fach- und Führungskräfte bzw. eine neue Stelle zu finden, seitdem verändert haben.

Printmedien – das relevante Medium bis in die 90er Jahre

Bis in die 90er Jahre wurden Stellenanzeigen für Fach- und Führungskräfte insbesondere samstags in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Süddeutschen Zeitung oder anderen überregionalen Tageszeitungen veröffentlicht. Kandidaten, die interessiert an einer beruflichen Veränderung waren, informierten sich hier über die neuesten Stellenangebote.

Die Anzeigen waren häufig kürzer als heute und wurden inhaltlich eher knappgehalten, da jeder weitere Millimeter Zusatzkosten bedeutete. Auf ausführliche Arbeitsplatzbeschreibungen, Höflichkeitsfloskeln und das regelrechte Werben des Unternehmens um den neuen Mitarbeiter, wie wir es heute kennen, wurde – aus Kostengründen – verzichtet.

Bei Interesse schickte der Bewerber seine – oft noch mit der Schreibmaschine geschriebenen – Bewerbungsunterlagen per Post und bekam im besten Fall ein bis zwei Wochen später eine Eingangsbestätigung … und vielleicht sogar gleich auch eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Monster und Stepstone entstehen Mitte der 90er Jahre

Mit der steigenden Nutzung des Internets begannen sich die Stellenanzeigen nach und nach in den Online-Bereich zu verlagern. Der Bewerbungsprozess konnte vereinfacht und insbesondere beschleunigt werden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt war die Kostenersparnis gegenüber den Print-Stellenanzeigen.

Somit entstanden die ersten Jobbörsen! Zunächst waren diese nur die Digitalisierung des klassischen Stellenmarktes, die sich später zu Plattformen mit hoher Qualität der Suchergebnisse entwickelten. Ihre 24/7-Aktualität, der große Angebotsumfang sowie die Benutzerfreundlichkeit z.B. in Form der Suchmöglichkeiten sind aus meiner Sicht auch derzeit die entscheidenden Qualitätsmerkmale einer Jobbörse. Damit begann der Arbeitnehmer mehr und mehr in den Mittelpunkt der Stellenanzeigen zu rücken. Denn es bewirbt sich nicht nur der Kandidat beim Unternehmen, auch Unternehmen möchten zunehmend für sich werben und Interesse wecken. Kriterien wie zum Beispiel eine gute Arbeitsatmosphäre, interessante Aufgaben und gegebenenfalls innovative Produkte, persönlicher Freiraum sowie ein fairer und sozialer Umgang im Unternehmen waren Mangels öffentlich zugänglicher Bewertungsportale noch nicht für jeden einsehbar.

Social-Media-Plattformen werden zu Plattformen für Jobs

Ab Mitte 2005 begannen soziale Netzwerke wie XING (damals OpenBC), LinkedIn und mit Abstrichen auch Facebook die Jobsuche zu revolutionieren. Immer mehr Bewerber nutz(t)en die genannten Social-Media-Plattformen, um sich nach neuen beruflichen Perspektiven umzusehen. Interessanterweise bedient man sich dieser Portale auch, um sich potentiellen Arbeitgebern zu präsentieren, obwohl sie ursprünglich als Netzwerk-Plattformen im beruflichen oder privaten Bereich vorgesehen waren.

Google for Jobs Mitte 2019 in Deutschland gestartet

Google for Jobs hat Ende Mai 2019 nochmals für eine grundlegende Neuerung gesorgt. In der wichtigsten Internetsuchmaschine der Welt werden
in einer „separaten Lasche“ alle Jobangebote strukturiert veröffentlicht, die der Google Crawler finden und kategorisieren kann. Wenn ich die Marktmacht von Google als Standard für Suchanfragen jeglicher Art betrachte, dann gehe ich davon aus, dass durch Google for Jobs sowohl Print-Anzeigen, aber auch Jobportale und Meta-Suchmaschinen an Bedeutung verlieren werden.

Wenn man von den Kommunikationskanälen absieht, hat sich allerdings über alle drei hier skizzierten Phasen bis heute interessanterweise vom Prozessschritt „Vorstellungsgespräch“ bis zur Einstellung nicht so viel getan, wie zu vermuten gewesen wäre. Ehrlicherweise gehören neue, digitale Möglichkeiten wie z.B. Video-Interviews oder elektronisch gezeichnete Arbeitsverträge noch zur absoluten Ausnahme.

Der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen

Ungeachtet der Veränderungen und vielen technologischen Möglichkeiten bleibt nach meiner Meinung der persönliche Kontakt zwischen dem Bewerber und dem Personalverantwortlichen von höchster Bedeutung. Nur im direkten Gespräch kann der Recruiter einen persönlichen Eindruck vom Bewerber gewinnen und einschätzen, ob und für welche Position dieser am besten geeignet ist. Dies wird auch noch einige Zeit so bleiben.

Mein Name ist Alex Gerritsen. Ich bin seit fast 20 Jahren aktiver Teil der internationalen Personalberatungs-branche. In diesem Blog werde ich zu aktuellen Themen rund um die Personaldienstleistung Stellung nehmen, die mich bewegen. Dabei geht es nicht um mich. Sondern um Sie. Mein Ziel ist es, Impulse zu geben und Mehrwert zu bieten. Für Personalverantwortliche. Für Fach- und Führungskräfte. Für den Markt. Für Sie.

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